Bierzauberers Haberdashery Nr. 2: Sich regen bringt Geldsegen

Heute machen wir einmal einen kleinen Ausflug in die Niederungen der österreichischen Politik. In die Schmuddelecke, gewissermaßen. Spenden sind mittlerweile ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft geworden. Ob Sachspenden (Tafel) oder monetäre Gaben (zum Beispiel an den Bettler in der Fußgängerzone); ob man einen Augustin kauft (die bekannteste Obdachlosenzeitung Wiens) oder in der Sammelstelle in Supermarkt abgelaufenes Tierfutter einwirft: Immer gibt einer, der andere nimmt, ohne das eine direkte Gegenleistung erwartet wird. Der Stärkere, Reichere gibt dem Schwächeren, Ärmeren, und lässt ihn dadurch spüren: Ich weiß, dass es mir besser geht, aber ich möchte dir dabei helfen, dass es dir irgendwie auch besser geht. Oder zumindest besser gehen sollte. So weit, so anständig, so humanistisch. Der einzige Teil unserer Gesellschaft, in dem dieses Prinzip aus Geben und Nehmen ohne Gegenleistungsanspruch nicht funktioniert, ist die Politik. Und ganz besonders in Österreich hat sich hierbei über die Jahrzehnte ein Kultur des Gebens beziehungsweise Nehmens entwickelt, die kurz davor ist, ins Kriminell, Mafiöse abzudriften. Der Grund für diese Annahme ist diese wirklich unglaubliche Geheimnistuerei der größten Parteien. Namen nenne ich keine, sonst vergesse ich am Ende noch eine. Wohlgemerkt: Alle Parteien und Funktionsträger in Österreich werden von Papa Staat mehr als großzügig alimentiert, sogar meist weit besser als in größeren, noch reicheren Ländern. – Einschub: Wäre die Größe eines Landes gehaltsrelevant, müsste Angela Merkel ja zehnmal mehr Geld bekommen als der/die österreichische BundeskanzlerIn (Sorry, das kann im Moment schnell wechseln), indes, das Gegenteil ist der Fall: Sie bekommt weniger! Einschub Ende! – Aber das, was Papa Staat in seiner Großzügigkeit gibt, reicht den Parteien anscheinend nicht. Nie! Ob im Alltag oder im Wahlkampf. Immer geht das Geld zu schnell aus. Also werden Spenden angenommen. Entweder direkt an die Partei oder über zwielichtige Vereine, von zwielichtigen wie unzwielichtigen Gönnern, die ihre Summen, aus welchen Gründen auch immer, dann streng geheim halten. Ebenso wie den Zweck der Spende. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Mensch ab einer gewissen Spendenhöhe eine Gegenleistung erwartet. Alles andere wäre völlig irrational. Sogar Ghandi hätte etwas erwartet (Gewaltlosigkeit zum Beispiel), wenn er etwas gespendet hätte. Niemand kann so selbstlos sein. Aber gerade diese gebetsmühlenartig wiederholten Behauptungen, dass die Spender nur das Wohl der Republik oder das der Partei im Sinn haben, oh nein, wir erwarten keine Steuererleichterungen, keine Beschneidung der Arbeitnehmerrechte, keine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit, und erst recht keine Stärkung der Arbeitgeberlobby, die machen viele Menschen im Land so zornig, und lassen sie von der Politik Abstand nehmen. Dabei wäre auch hier die Lösung so einfach. Hier ist mein Vorschlag für die Politik: Wer seine Spenden nicht öffentlich macht und dabei ertappt wird, muss das Geld dem politischen Gegner spenden. Dann wäre schnell Schluss mit dem Versteckspiel!

Bierzauberers Haberdashery Nr.1: Sommerverkehr

Unfälle im Sommer sind was Furchtbares, besonders die mit Todesfällen. Warum scheint das im Sommer noch schlimmer zu sein als in anderen Jahreszeiten? Hängt das vielleicht mit der Vorstellung zusammen, dass man von Juni bis September noch mehr zu seinem Vergnügen unterwegs ist als sonst schon, und wenn es dann kracht…?

Gerade auf Motorradfahrer hat es ja der Sensenmann in jedem Sommer besonders abgesehen. Nein, bitte, das ist kein Zynismus, ich fahre selber Motorrad, und das am Liebsten natürlich im Sommer. Aber manchmal muss ich mich, bei meinem langsamen Rumgebummel auf der Landstrasse mit maximal 100 Sachen, von Rennfahrern mit wirklich atemberaubendem Tempo überholen lassen, sogar in unübersichtlichen Kurven, da warte ich anschließend nur darauf, dass ich in der nächsten Kehre Erste Hilfe leisten muss, oder halt Sterbehilfe. Manche Fahrer werden anscheinend nur aus Schaden klug. Im günstigeren Fall, wenn sie doch in der Unfallambulanz wieder aufwachen.

Ein anderes, ganzganz aktuelles Verkehrsthema sind im Moment die beliebten Kinder-Fahrradanhänger. Nach mehreren Unfällen, darunter einem wirklich grauenhaften Unfall in der Nähe von Wien, zwischen einem ebensolchen Anhänger und einem erheblich stärker motorisierten PKW, bei dem zwei Kleinkinder getötet wurden, läuft die Politik mitten im Sommerloch zur Hochform auf. Tote österreichische Kinder sind, so schwer das Niederschreiben dieser Zeilen fällt, nun mal ein griffiges Thema für unsere Rechtspopulisten. Die dann natürlich auch sofort das tun, was man von Ihnen erwartet: Nämlich populistische Lösungen vorschlagen. Die im Grunde, egal was der Anlass ist, ob traurig oder unterhaltsam, immer in irgendeiner Form von Verboten enden. Wobei die Rechtspopulisten, die sich – in der Tradition des größten Führers, den das Land je hervorgebracht hat, ja auch als eine Art Autofahrerpartei sehen und somit logischerweise die Fahrradanhänger verbieten wollen und nicht das 1.500 kg schwere Geschoß, das mit überhöhter Geschwindigkeit den Anhänger inklusive Kleinkindern fünfzehn Meter weit in den Acker geschleudert hat. Der weitere Ausbau von Radwegen stand dabei sowieso nicht auf der Agenda der Vorschläge von dieser Seite.  Autofahrer bringen eben mehr Stimmen als Kleinkinder. Überdies, was hilft die schönste Gesetzesänderung, wenn eben diese neuen Gesetze dann genau so konsequent ignoriert werden wie die älteren? Die Kinder trugen beispielsweise alle beide keinen Helm.

Dabei läge eine Lösung so nahe: Man sollte vielleicht die Kinderanhänger per Gesetz an Motorräder hängen müssen.

Die Vorteile sind offensichtlich: Es würde die Biker verpflichten, langsam zu fahren und besonders in den Kurven acht zu geben. Die Motorräder sind im Straßenverkehr sehr viel leichter wahrzunehmen als Fahrräder. Und die Helmpflicht, die von vielen radfahrenden Eltern so gerne ignoriert wird, wäre dann auch kein Diskussionsthema mehr. Der Verband Österreichischer Fahrschulen würde diesen Vorschlag, der ihnen mit einem Mal hunderttausende neue Motorrad-Schüler einbrächte sicher sehr begrüßen. Zu guter Letzt würde dies auch die Wirtschaft ankurbeln. Anstatt diese durch Verbote weiter abzuwürgen.

DAS nenne ich mal eine klassische Win-Win-Win-Win-Situation.